Wie bleibt euer Team zentriert, wenn es turbulent wird?

Der Zentrierungszyklus – fünf Elemente für mehr Klarheit unter Druck

Franziska Kalkbrenner • 21. Juli 2026

In einem meiner letzten Beiträge ging es um Halt und Klarheit in Zeiten von Veränderung. Heute möchte ich zeigen, wie sich die fünf Elemente des „Zentrierungszyklus“ auf Teams übertragen lassen.


Wie behalten Teams die Kontrolle, wenn es turbulent wird? Wie bleiben sie unter Druck klar in ihrer Ausrichtung und stark in ihrer Zusammenarbeit?


In stressigen Phasen handeln Teams oft viel – aber vielleicht nicht immer klug. Sie reagieren getrieben, unüberlegt oder auf Kosten des Miteinanders. Wenn der Betrieb auf Hochtouren läuft, fehlt oft die Zeit, um wahrzunehmen, wie der Prozess auf das Team und seine Mitglieder wirkt.


Doch genau das ist entscheidend für eine konstruktive Zusammenarbeit: Teams brauchen nicht nur Ziele und To-do-Listen, sondern auch Momente, um innezuhalten, Spannungen anzusprechen und sich neu auszurichten. Ohne solche Reflexion verpassen sie die Chance, aus dem eigenen Prozess zu lernen. Das verschenkt Potenziale und kann die Qualität der Arbeit mindern.


Die fünf Elemente der Teamzentrierung

Welche fünf Elemente helfen Teams, in stürmischen Zeiten zentriert und ausgerichtet zu bleiben?


  1. Pause einlegen – Die Hektik bewusst unterbrechen und als Team wieder die Steuerung übernehmen.
  2. Bestandsaufnahme machen – Belastungen anerkennen und den Menschen als Ganzes sehen.
  3. Gefühle zulassen – Ohne in Therapiegespräche abzudriften.
  4. Psychologische Sicherheit schaffen – Vertrauen fördert Offenheit und Perspektivenvielfalt.
  5. Gemeinsame Orientierungspunkte finden – Vision, Purpose und Ziele helfen, Prioritäten zu setzen.


Was steckt dahinter, und wie lässt sich das im Alltag umsetzen?


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1. Pause: Aus der Hektik in die Steuerung

Der erste Schritt ist, die operative Hektik bewusst zu unterbrechen und dem größeren Ganzen Raum zu geben. Mit dieser aktiven Entscheidung signalisiert ihr:


Wir übernehmen Verantwortung für unseren Prozess.


Das muss nicht gleich ein Teamausflug sein (könnte aber!) – ein gemeinsames Mittagessen oder die letzte Stunde vor Feierabend könnt ihr genauso dafür nutzen, einmal kurz innezuhalten. Auch der Beginn eines Team-Jourfixe eignet sich: Statt sofort die Agenda abzuarbeiten, kann ein Check-in helfen, durchzuatmen und Raum für das zu schaffen, was neben den Aufgaben noch präsent ist.


Pausen wirken beruhigend und aktivieren neue Ressourcen, die euch dabei helfen, euch selbst zu steuern und bessere Entscheidungen zu treffen. (1)


2. Bestandsaufnahme: Alles auf den Tisch 

Anzuerkennen, was ist, ist der Ausgangspunkt für jede erfolgreiche Veränderung. Und Veränderung ist der Normalzustand – ob wir wollen oder nicht.


Menschen und Teams sind keine Maschinen, sondern lebendige Systeme, die von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst werden.


Private, gesellschaftliche oder organisatorische Umstände wirken auf jedes Mitglied und damit auf das Team. Ein Beispiel: Die Corona-Pandemie. Plötzlich mussten Teams Homeoffice bewältigen, Kinder zuhause selbst beschulen und neue Ängste aushalten.


Wenn ihr eure Teamprozesse bewusst steuern und zentriert bleiben wollt, nehmt euch die Zeit und macht regelmäßig sichtbar, was auf euch einwirkt. Auch hier eignet sich z.B. der Check-In beim Team-Meeting. Fragt euch zu Beginn einfach „Wie bist du hier?“ oder „Was bewegt uns gerade (noch)?“ – und wenn ihr ganz mutig seid, atmet ein paar Mal gemeinsam tief ein und aus. Wenn ihr mehr Zeit habt, könnt ihr eure Belastungsfaktoren auch strukturiert sammeln und reflektieren. So entsteht ein klareres Bild der aktuellen Lage.


3. Gefühle: Zulassen und aushalten

Überforderung wird oft erst spürbar, wenn man sie ausspricht. Dann kommt vieles hoch. Teams können sich hier einen Raum schaffen, in dem Gefühle Platz haben, ohne dass sofort Lösungen gesucht werden.


Wie das geht? Setzt euch zusammen. Redet darüber. Schenkt euch diesen Moment und sagt euch gegenseitig:


„Es ist okay. Es ist okay, dass es gerade viel ist.“


Achtet darauf, dass ihr nicht in eine vorschnelle Lösungsdynamik oder in den Rettermodus verfallt, z.B. indem ihr sofort und unaufgefordert Aufgaben abnehmt, um das Teammitglied zu entlasten. Ihr müsst noch nichts ändern. Wahrnehmen entlastet oft schon. Wichtig dabei: Ihr seid nicht für die Gefühle eurer Teammitglieder verantwortlich, nur für eure eigenen. (2)


Zugegeben, Gefühle am Arbeitsplatz sind vielerorts noch unüblich. Aber die Hirnforschung bestätigt längst: Wir sind keine rein rationalen Wesen. Gefühle beeinflussen uns, unser Denken und Handeln – und damit auch unsere Kommunikation und Zusammenarbeit. (3) Das Magazin für Neues Arbeiten „Neue Narrative“ widmete diesem Thema letztes Jahr sogar eine ganze Ausgabe. In ihrem Text „Wir brauchen mehr Fühlungsqualitäten“ fasst Laura Erler zusammen:

„Ein bewusster Umgang mit Gefühlen verbessert die Arbeitskultur: Emotionale Kompetenz – das Wahrnehmen, Verstehen und Nutzen von Gefühlen – ist entscheidend für gesunde, leistungsfähige Teams und Organisationen.“ (4)

Emotionale Kompetenz ist dabei keine feste Eigenschaft, sondern lässt sich trainieren. Wer mehr darüber wissen will, sollte einen Blick in das Heft werfen.



4. Milde: Vertrauen ermöglicht Lernen 

“The only thing I do know... is that we have to be kind. Please, be kind - especially when we don't know what's going on.”

Dieses Zitat der Figur Waymond Wang aus dem Film Everything Everywhere All At Once von 2022 bringt es für mich auf den Punkt: Freundlichkeit und Milde sind essenziell für gute Zusammenarbeit, besonders unter Druck.


Milde schafft Vertrauen, und Vertrauen öffnet den Raum für Perspektiven.


Wer sich sicher fühlt, teilt seine Sicht auf die Dinge. Das bereichert die Problemlösung. Außerdem ist es in vertrauensvoller Umgebung leichter, Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.


Wenn ihr euch milde begegnet, öffnet ihr euch füreinander und für eure jeweiligen Sichtweisen oder Fähigkeiten. Doch wenn ihr hart seid und um jeden Preis an eurer Meinung festhalten oder die Deutungshoheit behalten wollt, verschließt ihr Türen und blockiert das Potenzial, das in der Vielfalt eures Teams steckt.


Deshalb: Seid freundlich zueinander. Und milde mit euch selbst.


5. Ausrichtung: Woran wir uns orientieren

Wisst ihr, wo ihr hinwollt? Wofür ihr zusammenarbeitet? Und: Seid ihr euch darüber einig?


Purpose, Vision, Mission und Ziele sind nicht ohne Grund zentrale Themen vieler Team-Methoden. Sie bieten Orientierung, besonders in unübersichtlichen Zeiten oder wenn Entscheidungen anstehen.


  • Wofür stehen wir?
  • Was wollen wir erreichen?


Diese Fragen helfen, Prioritäten zu setzen. Ihr volles Orientierungspotential entfalten sie meiner Erfahrung nach jedoch erst, wenn ihr


  • euch bewusst Zeit für Reflexion genommen habt,
  • einen ehrlichen Blick auf eure verfügbaren Ressourcen geworfen habt,
  • und psychologische Sicherheit im Team hergestellt habt.


Denn erst dann könnt ihr die wichtigste Frage für euer Handeln ehrlich beantworten:


Was braucht es jetzt?


Zusammenfassung

Die fünf Elemente für Klarheit und Halt in Veränderungsprozessen lassen sich auf Teams übertragen:


Der Zentrierungszyklus hilft Teams, auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben:


  • durch bewusstes Innehalten,
  • ehrliche Bestandsaufnahmen,
  • das Zulassen von Gefühlen,
  • Milde im Umgang miteinander
  • und eine klare Ausrichtung auf das Wesentliche.


So bleiben Teams nicht nur arbeitsfähig, sondern wachsen an den Herausforderungen.



(1) vgl. Sonnentag, S., & Fritz, C. (2015). Recovery from job stress: The stressor-detachment model as an integrative framework. Journal of Organizational Behavior, 36(S1), S72–S103.

(2) Ein Hinweis an dieser Stelle: Teams sind keine Therapie. Holt euch externe Unterstützung, wenn ihr sie braucht, z.B. über einen Betriebsarzt oder Beratungsstellen.

(3) siehe z.B. die Forschungen von António R. Damásio zu Emotion und Entscheidung (Descartes' Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. List, München 1995) oder von Amy Edmondson zu psychologischer Sicherheit im Team (Edmondson, A. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383)

(4) Erler, L. (2025). Wir brauchen mehr Fühlungsqualitäten. Neue Narrative. Magazin für neues Arbeiten. #24, S. 17.

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Ich bin der Meinung, dass wir zu wenig darüber reden, wie sich Veränderung anfühlt, wenn man mittendrin steckt. Alle durchlaufen Entwicklungsprozesse und es gibt Phasen im Leben, in denen vieles zusammenkommt. Sätze wie „Eigentlich ist gerade alles zu viel“ oder „Ich komme nicht hinterher“ höre ich sowohl von Teams als auch von Menschen in der individuellen Veränderungsarbeit immer wieder. Da habe ich mich gefragt: Wie geht man damit um, wenn es einen individuell oder als Team mal wieder so richtig durchschüttelt? Wie findet man Halt, obwohl sich viel bewegt, und wie erlangt man Klarheit für den nächsten Schritt? Und was passiert, wenn wir nicht verarbeiten, was uns geschieht? Ich persönlich merke dann zum Beispiel, dass ich reizbarer werde. Ich fühle mich schneller gestresst und habe das Gefühl, immer schlechtere Entscheidungen zu treffen. Einerseits, weil ich mich eher getrieben fühle, statt selbst zu steuern, wohin ich will . Zum anderen entgeht mir ohne Verarbeitungszeit die Chance, aus meinen Erfahrungen zu lernen . Ähnliches beobachte ich im Gruppenkontext: Auch Teams sind in manchen Phasen so hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt, dass ihnen wenig Zeit bleibt, um in Ruhe etwas nachzubesprechen oder Störgefühle auszuräumen. Wenn es auch zu einem späteren Zeitpunkt keinen Raum für Reflexion gibt, verliert das Team die Chance, aus dem eigenen Prozess zu lernen. Spannungen bleiben ungelöst und wertvolle Potentiale zur Verbesserung der Zusammenarbeit werden nicht genutzt. Darunter leidet irgendwann auch die Qualität der Arbeit. Eigentlich schade, oder? Hier sind fünf wesentliche Schritte, die ich immer wieder gehe, um mich zu zentrieren, wenn es besonders turbulent zugeht. Die Schritte sind eher individuell formuliert. Sie lassen sich aber genauso auf Teams übertragen - dazu später mehr an anderer Stelle.
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Was in der (Stadt-)Forschung transdisziplinäres Arbeiten ist, heißt in der Verwaltung integriertes Arbeiten. Um mit der Stadtentwicklung den komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, braucht es auch in Verwaltungen die Fähigkeit, fachübergreifend zu denken und zu arbeiten. Beteiligungsverfahren gewinnen an Qualität, wenn die einzelnen Mitarbeiter*innen der Fachabteilungen sich bewusst sind, dass ihre Planung nicht isoliert zu betrachten ist. Noch besser wird es, wenn sich dieses Bewusstsein in ihrer Projektplanung und dem Beteiligungskonzept spiegelt. Mein Ansatz ist es, Mitarbeiter*innen der Verwaltung genau dahingehend zu stärken. Denn ich bin überzeugt: Wenn „die Forschung“ das transdisziplinäre Arbeiten lernt, dann kann es „die Verwaltung“ auch.